Wir waren in London dabei!

am 05.09.2025

proptech connect london 1

Wer verstehen möchte, warum internationale Immobilien- und Tech-Events in London regelmäßig Maßstäbe setzen, musste in diesen Tagen nur einen Blick auf die Organisation und Dramaturgie der Veranstaltung werfen. Rund 6.000 Besucher kamen zusammen – Anbieter, Interessenten und Investoren in einem bemerkenswert ausgewogenen Verhältnis. Diese Balance entsteht nicht zufällig: Der Veranstalter lehnt zwar keine Buchungen ab, steuert die Zusammensetzung aber aktiv über Freitickets und gezielte Direktansprache. Das Ergebnis ist ein Ökosystem, in dem Gespräche auf Augenhöhe stattfinden und echte Mehrwerte entstehen.


Hinzu kommt eine Reise- und Veranstaltungsinfrastruktur, die ihresgleichen sucht. Die Anbindung per Flugzeug und öffentlichem Nahverkehr funktioniert reibungslos, was gerade bei internationalen Events ein oft unterschätzter Erfolgsfaktor ist. Auch technologisch zeigt London, wie Konferenzen heute gedacht werden sollten: Eine leistungsfähige Konferenz-App unterstützt mit sinnvollen Matching-Vorschlägen und einer durchdachten Meetingplanung. Networking wird damit nicht dem Zufall überlassen, sondern gezielt ermöglicht.


Inhaltlich zeigte sich jedoch auch ein bekanntes Phänomen der Branche: das allgegenwärtige Buzzword-Bingo. Begriffe wie AI, holistic, dashboard, bad data in/out oder API fielen inflationär – ein Spiel, das viele Besucher nur zu gut kennen. Dennoch wäre es zu kurz gegriffen, das Programm darauf zu reduzieren. Denn zwischen den Schlagworten lassen sich durchaus echte inhaltliche Highlights finden. Wer bereit ist, genauer hinzuhören und kritisch zu filtern, stößt auf wertvolle Ansätze und echte Innovationen – die sprichwörtlichen Diamanten im Konglomerat.
Ein besonderer inhaltlicher Höhepunkt war die Makro-Keynote von Zsolt Kohalmi von Pictet. Seine Einordnung der aktuellen Marktlage zeichnete ein differenziertes Bild. So wird das Thema EPC-Regulatorik zwar nicht verschwinden, dürfte sich aber verzögern oder in abgeschwächter Form umgesetzt werden. Vor allem im europäischen Wohnimmobilienmarkt sieht Kohalmi strukturelle Probleme: Über Jahre hinweg wurde zu wenig gebaut, was den Mietdruck weiter erhöht – stärker als beispielsweise in den USA.

Auch der gesamtwirtschaftliche Ausblick bleibt verhalten. Niedrige Zinsen und Yields prägen weiterhin das Umfeld, was Europa aus Investorensicht dennoch attraktiv macht. Gleichzeitig rückten alternative Assetklassen wie Data Centers in den Fokus. Sie sind gefragt und strategisch relevant, werfen jedoch neue Fragen auf – insbesondere mit Blick auf Exit-Szenarien. Interessant dabei ist, dass selbst Hyperscaler sich bei der Finanzierung strecken müssen: Zinssätze von rund 12 Prozent zuzüglich umfangreicher Sicherheiten zeigen, dass auch in diesem Segment nicht alles selbstverständlich ist.
Unterm Strich bestätigt sich einmal mehr: Gut gemachte Events sind weit mehr als reine Bühnen für Buzzwords. Sie leben von kluger Kuratierung, technischer Unterstützung und starken inhaltlichen Impulsen. London zeigt, wie das funktionieren kann – und warum es sich lohnt, genau hinzusehen und zuzuhören.

Nach oben scrollen